WER SIND DIE BETREUENDEN ANGEHÖRIGEN IN DER SCHWEIZ ?
Betreuende Angehörige sind unsichtbare Helden. Ihre Arbeit bleibt häufig unbeachtet, obwohl sie mit ihrer Fürsorge – sei es für einen Elternteil, Ehepartner, Freund oder Nachbarn – unschätzbare Dienste leisten.
Sie sind nicht nur eine vertraute Person in einer schwierigen Zeit, sondern auch wichtig und unverzichtbar in der Gesellschaft. Sie investieren Zeit und Energie, und leisten wertvolle moralische, administrative oder pflegerische Unterstützung.
Laut den neuesten Statistiken zu betreuenden Angehörigen in der Schweiz nimmt der Bedarf aufgrund der alternden Bevölkerung und der steigenden Nachfrage nach häuslicher Betreuung weiter zu.
WIE VIELE BETREUENDE ANGEHÖRIGE GIBT ES IN DER SCHWEIZ ?
Die Daten der Schweizerischen Gesundheitsbefragung (SGB) aus dem Jahr 2022 zeigen, dass 22,8 % der über 15-Jährigen im vergangenen Jahr mindestens einmal pro Woche einen Angehörigen betreut oder gepflegt haben. Das entspricht mehr als 1,6 Millionen Menschen.
In der Schweiz ist somit jede vierte Person betreuender Angehöriger.
Diese Zahl unterstreicht die Bedeutung der gegenseitigen Unterstützung im Alltag und macht deutlich, dass betreuende Angehörige eine wesentliche Stütze des Schweizer Sozial- und Gesundheitssystems sind.
BETREUENDE ANGEHÖRIGE GIBT ES IN JEDEM ALTER
Betreuende Angehörige sind meist junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren oder Erwachsene zwischen 45 und 64 Jahren.
Viele von ihnen müssen Beruf, Ausbildung, Familienleben und die Betreuung eines Angehörigen miteinander vereinbaren, was oft eine schwer zu bewältigende Doppelbelastung darstellt.
Auch Menschen ab 75 Jahren kümmern sich trotz eigener gesundheitlicher Probleme häufig weiterhin um ihren Ehepartner oder einen Angehörigen.
Junge Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren, sogenannte Young Carers, sind sich oft nicht bewusst, dass sie betreuende Angehörige sind. Sie stehen vor besonderen Herausforderungen, da diese Rolle kaum mit den üblichen Aktivitäten ihres Alters vereinbar ist.
BETREUENDE ANGEHÖRIGE: MEHR FRAUEN ALS MÄNNER
Laut einer Bevölkerungsumfrage des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), die im Rahmen des Förderprogramms „Entlastungsangebote für betreuende Angehörige 2017–2020” durchgeführt wurde, sind Frauen unter den betreuenden Angehörigen stärker vertreten. Die Studie gibt an, dass 54 Prozent der betreuenden Angehörigen Frauen sind.
BETREUEN UND ERWERBSTÄTIG SEIN: EINE SCHWIERIGE BALANCE
Die Vereinbarkeit von Arbeit, Studium, Familienleben und der Betreuung eines Angehörigen ist für viele eine grosse Herausforderung.
Diese Situation führt oft zu:
– erheblicher Müdigkeit,
– hohem emotionalem Stress,
– einer Reduzierung der Arbeitszeit oder Unterbrechungen der beruflichen Laufbahn sowie
Bei Studierenden führt sie zu Schwierigkeiten beim Lernen und bei der Prüfungs-vorbereitung.
Laut einer weiteren BAG-Umfrage im Rahmen desselben Förderprogramms „Entlastungsangebote für betreuende Angehörige 2017–2020” geben 25 % der Frauen an, dass sich ihre Betreuungsaufgaben negativ auf ihre berufliche Tätigkeit auswirken, während es bei den Männern 19 % sind.
KANTONALE UNTERSCHIEDE IN DEN STATISTIKEN ZU BETREUENDEN ANGEHÖRIGEN
Die verfügbaren Daten zeigen erhebliche kantonale Unterschiede.
In den Westschweizer Kantonen liegt der Anteil der Personen, die informelle Hilfe* leisten, meist zwischen 15 % und 22 %. In den Deutschschweizer Kantonen sind hingegen zwischen 24 % und 35,7 % der Bevölkerung betreuende Angehörige.
*Unter dem Begriff «Informelle Hilfe» wird in diesem Zusammenhang die Hilfe für Angehörige zur Verrichtung alltäglicher Aufgaben oder zur Pflege verstanden.
Prozentualer Anteil der informellen Hilfe, die einmal pro Woche oder öfter geleistet wird, nach Wohnkanton der betreuenden Angehörigen, mit Intervallindex (ESS 2022/StatVD).
In einigen Kantonen sind bis zu 35,7 Prozent der Bevölkerung betreuende Angehörige.
Angesichts der alternden Bevölkerung und der steigenden Lebenserwartung wird ihr Beitrag zum Gesundheitswesen immer wichtiger. Vor diesem Hintergrund engagieren sich Behörden sowie zahlreiche Institutionen und Verbände verstärkt für ihre Unterstützung.
Die IGAB (Interessengemeinschaft Angehörigenbetreuung, Communauté d’intérêts Proches aidants, CIPA) hat im Jahr 2024 einen nationalen Tag für betreuende Angehörige eingeführt, der jeweils am 30. Oktober stattfindet.
Zudem engagieren sich seit Jahren zehn Kantone gemeinsam für eine bessere Sichtbarkeit von betreuenden Angehörigen. Weitere Informationen zur interkantonalen Allianz finden Sie auf dieser Seite.